Die Gestrandeten - Welt des Vergessens, Band 1 Die Gestrandeten  
 

Nach SM-Liebesgeschichten, Thriller, Abenteuern im Harem, Sci-Fi und Fetisch-Stories schreibt Chris Dell jetzt auch noch Fantasy?

Muss denn das sein?
Äh … ja. Das muss sein.
Warum?

Von allen Genres ist es Fantasy, die einer Sache am nächsten kommt, mit der wir alle uns ausgiebig und zumeist gern beschäftigen: Unsere Träume.

Nun mag man einwenden, dass Belletristik ja schon per se eine ausgezeichnete Projektionsfläche für Gedanken, Phantasien, Wünsche und Träume ist. Das ist nicht von der Hand zu weisen, doch Fantasy kann noch mehr.

So, wie Träume Versatzstücke unserer Realität aus Erlebtem, Gesehenem und Gehörtem auf eine Weise neu zusammensetzen, die uns oft seltsam und atemberaubend erscheint, weil wir sie nicht unserem klugen Verstand, sondern unserem (mitunter keineswegs weniger klugen) Unterbewusstsein zu verdanken haben, so kann Fantasy Welten erschaffen und uns Abenteuer erleben lassen, die in jedem anderen belletristischen Genre recht schräg, eher unglaubwürdig oder schlicht und einfach doof erscheinen würden[1].

Damit Fantasy „funktionieren“ kann, darf sie allerdings auch nicht absurd sein. Fantasy erlangt Glaubwürdigkeit durch innere Kongruenz; das bedeutet, dass das erschaffene Fantasy-Universum in sich schlüssig anzulegen ist. Gibt es Drachen? Natürlich nicht. Auch ich kann darauf verzichten. In manchen Fantasy-Geschichten spielen sie aber eine große Rolle. Eine Welt, in der Drachen existieren, muss daher eine in sich schlüssige „Drachenwelt“ sein. So, wie uns in unserer realen Welt breite Straßen, Garagen, Tankstellen und Lärm die Existenz von Autos allgegenwärtig machen, so sind es in manchen Fantasywelten eben keine Autos, sondern Drachen, die das Leben maßgeblich beeinflussen. In einer solchen Welt kann ein Drache am Steuer eines Kleinwagens allerdings schwerlich in sich schlüssig dargestellt werden – es sei denn, es handelt sich um eine Persiflage oder eine Kindergeschichte, denn kindliche Wahrnehmung ist dem „Chaos“ in unseren Träumen sehr nah.

Fantasy muss nicht kindisch sein. Sie kann sogar sehr erwachsen (und erotisch) sein. Das möchte ich beweisen.

Wirklich gute „Vorbilder“ muss man allerdings mit der Lupe suchen. Viele Fantasy-Autorinnen und –Autoren verharren zuweilen gern in einer eher infantilen Welt. Bei den „Großen“ des Genres finden wir hingegen schon eher Inhalte für Erwachsene. Man merkt es vielleicht nicht immer sofort, weil die Abenteuer dafür zu spannend sind, aber dann ist es ja auch okay. In „Die Nebel von Avalon“ von Zimmer-Bradley finden wir das Bekenntnis zu einer offensiven weiblichen Sexualität, womit diese in der Zeit der Artus-Legende angesiedelte Story moderner und fortschrittlicher ist als manche Texte, die uns heutzutage unter dem Deckmäntelchen politischer Aufgeschlossenheit angedreht werden und uns in Wirklichkeit nur vorschreiben wollen, wie wir die Welt zu sehen haben.

Tolkiens Epos „Der Herr der Ringe“ wird - wie ich finde, berechtigt - ein kräftiger Schuss Homoerotik nachgesagt. Warum auch nicht? Schließlich wäre dann da noch John Norman mit seinem „Gor“-Zyklus – die einzige mir bekannte „richtige“ SM-Fantasy, die es bis in die Bücherregale geschafft hat. Zeitweise. So lange nämlich, bis viele Bände dieser Reihe in Deutschland auf den Index „jugendgefährdender“ Schriften kamen. Nicht zuletzt deshalb ist „Gor“ Kult.

Fantasy gibt uns die Möglichkeit, entgegen aller vermeintlichen Political Correctness unser Rollenverhalten auszuleben. Egal, ob es in unseren Genen liegt oder ob es uns anerzogen wurde – in Fantasy macht es Spaß, weil wir die Schattenseiten einfach ausklammern können. Männer können starke, tapfere Ritter oder andere Helden sein. Über deren geringe Lebenserwartung angesichts ihrer fantasyüblichen Tätigkeiten muss ja nicht geschrieben werden. Frauen können schöne, anbetungswürdige Prinzessinnen oder andere wohlbehütete und beschützte Heldinnen sein. Darüber, was ihr Galan nach erfolgter Rettung so treibt und dass er vermutlich irgendwann nur noch aufgedunsen und ungepflegt mit einem Humpen Met in der Hand einem langweiligen Ritterturnier zusehen will, können wir schweigen.

Fantasy verschafft uns Zugang zu einem weitgehend untergegangenen Wertesystem. In Zeiten, in denen Charakter- und Profillosigkeit, Lug und Trug sowie Schmarotzertum für höchste Staatsämter zu befähigen scheinen, können wir uns in Fantasy mit Anstand und Würde, mit Ehre und Loyalität, mit Großmut und Dankbarkeit beschäftigen, ohne in den Verdacht zu geraten, törichte (oder gar braune – igitt!) Gartenzwerge zu sein und deren Ideologien nachzueifern (wobei die ja nun nicht das Geringste mit Würde oder Ehre zu tun haben). Okay, Tolkien wurde hin und wieder sogar als „faschistoid“ bezeichnet, aber Bevormunder von links sind nicht besser als die von rechts. Schweine sind nicht nur rosa. Sie sind auch braun oder rot. Fantasy hingegen fragt nicht nach ideologischer Linientreue.

Fantasy sorgt für Tiefenentspannung. Ihre Settings führen uns zurück in einen Zustand, als Technik und Lärm uns noch nicht in Hektik versetzten. Fantasy gibt uns Ruhe und Meditation - sofern uns unsere schweißnassen Handflächen angesichts der Lektüre spannender Abenteuer nicht davon abhalten.

Langer Rede kurzer Sinn: Fantasy ist eine feine Sache.

Weil die Erzeugung einer in sich stimmigen, komplexen Welt eigentlich viel zu kostbar ist, um in einem einzigen Buch verarbeitet zu werden, macht sich Fantasy gut als Zyklus.

Weil jedes Buch auf die Qualität der Figurenzeichnung angewiesen ist[2], die Story von „Welt des Vergessens“ über mehrere Protagonistinnen und Protagonisten verfügt und 400 Seiten keinesfalls ausreichen, um alle Abenteuer (und die Entwicklung der Charaktere) abschließend zu erzählen, bietet sie sich sogar für eine Serie geradewegs an.

Weil der Besuch fremder, faszinierender Welten ein Erlebnis ist[3] und unterschiedliche Schauplätze zur Story von „Welt des Vergessens“ gehören (und mit – diesmal – besonders großem Aufwand illustriert wurde), muss es sogar eine Serie sein.

Dies hier ist Band 1.

Viel Vergnügen!

Chris Dell, anno 2012 - 2014



[1] s. auch „Das tapfere Schreiberlein“, eine kleine Hinweissammlung zum Verfassen erotischer Geschichten; kostenlos erhältlich auf www.dellicate.com

[2] ebenda

[3] ebenda

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